StrategieJournal 01/20 Shopfloor Management im Handwerk

Aus StrategieJournal 01-20

Höhere Produktivität durch digitale Arbeitsorganisation

Von Prof. Dr. Maximilian Wolf, Prof. Dr. Stefan Ruf, Prof. Dr. Nils Herda, Matthias Bergmann, Sebastian Daume

Die Bäckerei Bergmann & Sohn GmbH aus Frömmstedt in Nordthüringen ist ein digitaler Champion der Handwerksbranche. Das Familienunternehmen hat in ihrer strategischen Ausrichtung voll auf die Digitalisierung gesetzt. Dabei ging es nicht primär um den Einsatz von IT-Tools, sondern um die Einführung neuer Arbeitsformen.

Mit dem Shopfloor Management und einer agilen Projektmethodik hat die Geschäftsleitung das Handwerksunternehmen deutlich professionalisiert und dabei Erfolge realisieren können, wie man sie von deutlich größeren Industrieunternehmen kennt, aber nicht von einem Handwerksunternehmen erwarten würde. Durch Einbindung sämtlicher Führungskräfte und auch der Mitarbeiter hat man dazu eine breite Akzeptanz der neuen Arbeitsmethodik geschaffen.

Auf diese Weise konzentriert man sich konsequent auf die externen und internen Engpässe und verfolgt die Umsetzung der Lösung ganz konsequent.

1. Einleitung

Die digitale Transformation von Geschäftsprozessen und ganzer Funktionsbereiche generiert aktuell und ohne absehbares Ende einen hohen Handlungsdruck auf die Führungs- und Fachkräfte von Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen. Auch für Handwerksunternehmen bieten der technologische Fortschritt, innovative Geräte sowie eine zunehmende Vernetzung erhebliche Potenziale aber auch Risiken. Gerade im Handwerk – lange noch häufig bei der Digitalisierung außen vor – generieren die zuvor genannten Entwicklungen stetig wach- sende Anforderungen an die Funktionen und Prozesse. Insbesondere die punktgenaue Abwicklung von Aufträgen bei gleichbleibend hohen Qualitätserfordernissen stellt dabei eine besondere Herausforderung dar.

Das Thema einer neuartigen und digital gestützten Arbeitsorganisation ist dabei bereits heute von zentraler Bedeutung. Die intensive Auseinandersetzung mit dieser Thematik scheint wesentlicher Treiber und Erfolgsfaktor für Handwerksunternehmen zu sein. Um weiterhin erfolgreich im Wettbewerb bestehen und auch wachsen zu können. Gerade auch im Kampf um die Gewinnung von Auszubildenden bilden der moderne Einsatz digitaler Prozesse und Technologien häufig eine sehr gute Argumentationsbasis, um den Innovationscharakter des Handwerksbetriebs zu unterfüttern und Präferenzen für das eigene Handwerksunternehmen zu schaffen.

Ein besonderes Augenmerk kann bei der Anwendung digitaler Technologien und Methoden auf den Bereich der Arbeitsorganisation gelegt werden. Hier kann das Handwerk von Industrieunternehmen lernen und dort vielfach erfolgreich angewandte Arbeitstechniken ebenfalls gewinnbringend anwenden.

Der Schwerpunkt dieses Fachartikels liegt auf dem Shopfloor Management. In bestehenden Publikationen erfolgte die Behandlung digitaler Lösungen in der Arbeitsorganisation mittels Shopfloor Management in Handwerksunternehmen bislang nur oberflächlich und kaum mit konkreten Praxisbeispielen unterfüttert.

Nachfolgend wird — nach der methodischen Erläuterung — ihr konkreter Einsatz im Sinne einer „good practice” anhand des Thüringer Handwerkbetriebs Bäckerei Bergmann beschrieben.

2. Shopfloor Management als Werkzeug zur Arbeitsorganisation im Handwerk.

Das Wort „Shopfloor” stammt aus dem Englischen und bezeichnet den Ort der Wertschöpfung in Unternehmen. In Handwerksunternehmen kann der Ort der Wertschöpfung z. B. die Baustelle oder die Backstube sein. Das ebenfalls englische Wort „Management” bedeutet führen, steuern oder kommunizieren. Unter Shopfloor Management kann folglich das Führen am Ort der Wertschöpfung verstanden werden.

Eine zentrale Arbeitstechnik des Shopfloor Management ist die strukturierte und effiziente Organisation regelmäßiger Besprechungen, den sogenannten Shopfloor Runden mit allen im Team beteiligten Führungskräften und Mitarbeitern. Diese Besprechungen dauern maximal 15 Minuten und dienen der Arbeitsorganisation des Handwerksbetriebs.

Auf einer Besprechungstafel, dem sogenannten Shopfloor Board, werden dabei alle zentralen Elemente, wie etwa die Personal-, Material- und Werkzeugplanung, visualisiert und mit dem gesamten Team besprochen. Zusätzlich werden Fragen geklärt, Termine festgelegt und Maßnahmen für Probleme festgelegt.

Durch diese Art der intelligenten Arbeitsorganisation können Handwerksunternehmen zahlreiche Vorteile wie die vollständige und dauerhafte Information aller Mitarbeiter, die effiziente Planung und Kontrolle von Betriebsressourcen sowie die nachhaltige und gezielte Lösung von Problemen generieren.

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Shopfloor Management im Handwerk: Good practice Beispiel der Bäckerei Bergmann

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