StrategieJournal 01/18 Krisenmanagement im Zeitalter der Digitalisierung

Aus StrategieJournal 04-19

Krisen begleiten unsere Gesellschaft…

Von Prof. Dr. Nils Herda, Prof. Dr. Stefan Ruf

…ob die weltweite Wirtschaftskrise ab 2007, deren ökonomische Auswirkungen wir bis heute spüren, das Hochwasser im Jahr 2002, das interessanterweise zu einer Begleiterscheinung des Bundestagswahlkampfs wurde, die Furcht vor einer Pandemie im Jahr 2009, die durch die Schweinegrippe als Auslöser befürchtet wurde, bis hin zu den Cyber-Angriffen russischer Hacker, die 2018 eine Eiszeit zwischen der EU und Russland ausgelöst haben.

Dies führt dazu, dass die Bundesrepublik Deutschland entsprechende Krisenpläne vorbereitet hat und diese generalstabsmäßig in groß angelegten Übungen plant. Doch was bedeuten Krisenszenarien für mittelständische Unternehmen? Müssen sie nicht auch regelmäßig – wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe aber auch die lokale Feuerwehr – ihre Krisenfähigkeit testen? Gerade systematische Cyber-Angriffe auf Unternehmen des gehobenen Mittelstands und internationalen Geschäfts zeigen die Notwendigkeit.

1. Krisen

Eine Krise kann selten wirklich vorhergesehen werden. Sie stellt de facto den Höhepunkt einer Konfliktentwicklung dar, die zu einer massiven Funktionsstörung in einem sozialen oder betrieblichen System führt. Der Krisenbegriff wird in verschiedenen Wissenschaften und Disziplinen verwendet, aber unterschiedlich interpretiert.

So ist für die Generalität einer Armee eine politische oder militärische Krise natürlich etwas anderes als für einen Naturwissenschaftler etwa die Klimakrise. Auslöser, zeitlicher Verlauf und Auswirkungen unterscheiden sich genauso wie die Methoden zur Eindämmung einer Krise.

Eine Krise führt zu einer massiven Funktionsstörung in einem sozialen oder betrieblichen System. Grundsätzlich nimmt eine Krise einen typischen Verlauf. Eine Krise hat einen Auslöser, der eine Funktionsstörung provoziert und diese dadurch sichtbar macht. Doch interessanterweise sind diesem Auslöser Ursachen vorgelagert, die aber eher nicht wahrgenommen oder zunächst nicht in einen Zusammenhang mit dem Auslöser gebracht werden. Erst eine Reihe- für sich genommen jeweils
überschaubarer – Dominoeffekte mit immer dramatischeren Auswirkungen führt am Ende zu einem für alle sichtbaren Höhepunkt einer Krise.

Die psychologischen Auswirkungen einer Krise bei den Betroffenen sind vielschichtig: So ist diese – gefühlt – von einem Vertrauensverlust gekennzeichnet („Mein Geld ist nicht mehr sicher.”), einem Verlust der Deutungshoheit („Denen kann man nichts mehr glauben”), einem Kompetenzverlust („Die haben es nicht im Griff”), einem Kontrollverlust („Ich löse das jetzt auf eigene Faust“) bis hin zu Panik („Rette sich, wer kann – koste es, was es wolle“) oder Resignation („Wir können nichts mehr tun”).

2. Die Wirtschaftskrise ab 2007

Statistisch wusste man früher, dass sich etwa alle sieben Jahre ökonomische Krisen ereignen. Es war die Aufgabe von Politik und Notenbanken diese zu bekämpfen und wieder eine stabile wirtschaftliche Entwicklung einzuleiten. Die kleineren europäischen Länder haben sich etwa vor Einführung des Euro mit regelmäßigen Abwertungen ihrer Währungen geholfen und so nationale Krisen bewältigt.

Doch die Wirtschaftskrise ab 2007 wurde erst wirklich in der Finanzszene wahrgenommen, als es im August 2007 einen sprunghaften Anstieg der US-amerikanischen Interbank-Finanzkredite (zwischen den Kreditinstituten) gab, der in der Folge zu immer höheren Zinsen führte, die dann an die Kunden weitergegeben wurden. Dies führte dazu, dass immer mehr Eigenheimbesitzer ihre Zinszahlungen nicht mehr bewältigen konnten und aufgeben mussten.

Vorausgegangen war der politische Wille, u.a. in der Regierungszeit von Bill Clinton, mehr US-amerikanischen Familien zu Wohneigentum zu verhelfen. Doch in der Folge hat sich der Immobilienmarkt in den USA soweit aufgebläht, dass tendenziell sozial schwache Bürger und Familien sich mit viel zu hohen Krediten übernommen hatten (Ursache).

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Krisenmanagement als strategische Herausforderung im Zeitalter der Digitalisierung

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