StrategieJournal 04/17 Ist Mewes-Strategie in der Digitalisierung zeitgemäß?

Ist die Strategiemethodik noch zeitgemäß?

Aus StrategieJournal 04-17

Seit der Entwicklung der Strategiemethodik in den 1970er-Jahren durch Wolfgang Mewes haben sich Wirtschaft, Technologie und die betriebliche Realität enorm verändert. So sind mit der Globalisierung weltweite Märkte und Lieferketten entstanden. Durch das Internet als Basistechnologie hat sich die Kommunikation weiterentwickelt, zudem konnten unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse etabliert werden.

Durch Industrie 4.0 wird nun die Produktionswelt vernetzt und weiter automatisiert, was für Produktionsunternehmen eine erhebliche Veränderung bedeutet. Man spricht generell vom “digitalen Zeitalter”, indem insbesondere Geschäftsmodellinnovationen durch den Einsatz neuer Technologien Märkte verändern. Über digitale Plattformen verlagert sich die Marktmacht hin zu technologiezentrierten Unternehmen, die – mit einem klaren Kundennutzen und überlegener Technologie – bisher etablierte Player mit digitalen Geschäftsmodellen auf den Märkten verdrängen.

Ein Beitrag von Prof. Dr. Nils Herda, Dr. Kerstin Friedrich, Prof. Dr. Stefan Ruf

Die Mewes-Strategie

Als der Systemforscher Wolfgang Mewes in den 1970ern die Grundlagen der Mewes-Strategie entwickelte, befand man sich im Zeitalter einer stabilen Industriegesellschaft. Mewes erkannte dabei frühzeitig die Bedeutung der richtigen Strategie für Wachstum und nachhaltigen Erfolg im Unternehmen. Die kybernetische Strategielehre setzt dabei bewusst auf Konzentration und Spezialisierung von Produkten oder Dienstleistungen, Unternehmen werden zum “Spezialisten für…” und richten sich auf kundenzentriere Läsungen aus.

Ein besonderer Beleg für die Bedeutung der Mewes-Strategie ist der von Professor Simon nachgewiesene, häufige Einsatz der “Erfolgsmethodik” bei den sogenannten Hidden Champions, den mittelständischen Weltmarktführern im deutschsprachigen Raum. Dabei handelt es sich häufig um Familienunternehmen, die global und hochprofitabel in einem Nischenmarkt agieren und deren Produkte klare Alleinstellungsmerkmale aufweisen.

Nun haben sich die Zeiten verändert. Um die Mewes Strategie ist es zudem etwas ruhig geworden. Die Informationstechnologie hat inzwischen eine bis dato nicht gekannte Bedeutung erlangt. Startup mit digitalen Dienstleistungen und ohne eigene Produktionsfaktoren machen etablierten Unternehmen Konkurrenz. Branche, wie Handel, Medien oder auch selbst die Banken, stehen vor einer ungewissen Zukunft, da bewährte Strategien nicht mehr greifen und sich die Bedürfnisse der Zielgruppen massiv verändert haben.

Es stellt sich daher aus Sicht des Mittelstands die Frage, inwieweit die Mewes-Strategie auch im digitalen Zeitalter anwendbar ist und auch den neuen Marktgesetzen entspricht. Liegt möglicherweise ein Defizit im Kontext der Informationstechnologien vor?

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Digitalisierung aus Sicht der Mewes-Strategie

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