StrategieJournal 01/18 Digitalisierung als Treiber technischer Innovation

Aus StrategieJournal 01-18

Das Zeitalter der Digitalisierung wird geprägt durch die Innovationen der Informationstechnologie. Mit dem Einsatz technologischer Entwicklungen wie dem Internet der Dinge, Industrie 4.0, Big Data, Blockchain, Künstlicher Intelligenz, aber auch Augmented und Virtual Reality verändern sich Unternehmen aktuell erheblich. Sie Sind primär getrieben vom unternehmensinternen IT-Bereich, der sich vom internen Dienstleister zur strategischen Waffe entwickelt und die digitale Positionierung erst ermöglicht.

Interessant ist nun, wie die Hidden Champions, die Weltmarktführer des gehobenen Mittelstands, diese Herausforderung annehmen. Gelingt es ihnen, zusätzlich zu den technologischen Alleinstellungsmerkmalen auch die digitale Kompetenz zu entwickeln und somit ihre führende Position in den internationalen Märkten damit weiter auszubauen? Die Antwort darauf soll ein Interview mit Dr. Stefan Heizmann klären, der als CIO und Leiter Group IT der Gühring KG aus Albstadt für seine herausragenden Leistungen als „CIO des Jahres” ausgezeichnet wurde.

Ein Beitrag von Prof. Dr. Nils Herda, Dr. Kerstin Friedrich, Prof. Dr. Stefan Ruf

Was ist denn genau die Aufgabe eines CIO bei einem Hidden Champion?
Dr. Heizmann: Ein Chief Information Officer Oder kurz CIO ist zunächst ein- mal der für die Informationstechnologie verantwortliche Manager in einem Unternehmen, der auch traditionell als IT-Leiter bezeichnet wird. Ich bin verantwortlich für die globale IT, die mit 75 Mitarbeitern für über 4.000 IT- Benutzer der Gühring KG die weltweite IT-Infrastruktur sowie die Anwendungen entwickelt und betreibt.

Wie wurde denn Gühring zum Hidden Champion?
Dr. Heizmann: Die Gühring KG wurde 1898 von Gottlieb Gühring in Albstadt-Ebingen auf der Schwäbischen Alb am heutigen Stammsitz gegründet. Das Unternehmen ist bis heute in der Hand der Familie Gühring. Wir haben inzwischen über 8.000 Mitarbeiter, über 1 Milliarde Umsatz und Sind weltweit vertreten. Gühring ist auf rotierende Präzisionswerkzeuge für die Metallzerspanung spezialisiert. Eine entscheidende Innovation war dabei sicherlich die Erfindung der Werkzeugbeschichtung Anfang der 1980er Jahre, die ein Meilenstein für die Zerspanungstechnologie war, da beschichtete Werkzeuge die Fertigungskosten erheblich reduzieren. Wir sind heute in verschiedensten Branchen aktiv, es dominieren aber die Automobil- und die Luftfahrtindustrie sowie der Maschinenbau.

Was waren die wesentlichen Etappen auf dem Weg mit der IT in die Digitalisierung des Unternehmens?
Dr. Heizmann: Ich bin seit Oktober 2012 Leiter Group IT bei Gühring. Zu- nächst habe ich mit meiner Führungsmannschaft, die mir vom ersten Tag an das Vertrauen geschenkt hat, die IT-Organisation und die Technik völlig neu ausgerichtet. Wir haben daher zunächst eine eigene IT-Strategie basierend auf der Unternehmensstrategie konzipiert, intensiv mit der Geschäftsleitung diskutiert und dann sukzessive umgesetzt. Damit war die Grundlage für die IT-technischen Innovationen und die Basis für die Digitalisierung gelegt.

Wie Sind Sie bei der Entwicklung der IT- Strategie vorgegangen?
Dr. Heizmann: Wir haben uns zunächst einmal mit der Unternehmensstrategie auseinandergesetzt. Da Gühring als Spezialist für beschichtete Werkzeuge und als Weltmarktführer de facto schon immer gemäß der Mewes-Strategie vorgegangen ist, haben wir auch unsere IT-Strategie mit fachkundiger Beratung daran angelehnt. Zunächst haben wir unsere Stärken ermittelt und als Zielgruppen unsere internen Fachbereiche sowie die ausländischen Tochterunternehmen definiert. Das Denken in Zielgruppen und Engpässen war vielleicht ungewohnt, hat sich aber ausgezahlt. Gemeinsam mit meinen Führungskräften ermittelten wir dann in verschiedenen Gesprächen die Engpässe unserer internen Kunden. Für diese wurden anschließend Lösungen erarbeitet, da konnten wir gerade mit innovativen Ansätzen Viel bewirken. Das Denken in Zielgruppen und Eng- passen war vielleicht ungewohnt, hat sich aber ausgezahlt. Heute haben wir ein Viel besseres Verhältnis mit den Fachbereichen und arbeiten proaktiv in verschiedenen Arbeitskreisen zusammen.

Artikel weiter lesen

Die Digitalisierung – zentraler Treiber technologischer Innovationen

You May Also Like